Der Weg nach Mexiko

Der Weg nach Mexiko

29.06.2007 - Kreiswehrersatzamt Siegen: "Herr Linke, möchten Sie Wehrdienst leisten?" - direkt nach der Aufnahme der Personalien kam die Frau hinter dem Schreibtisch zur Sache. Von der Unentschlossenheit, die mich in manchen Alltagssituationen auszeichnet, war hier keine Spur - "Nein, ich möchte gerne den Kriegsdienst verweigern", und so kehrte ich der Bundeswehr den Rücken. Bundeswehr, das war einfach nicht das, was ich mir für die Zukunft vorgestellt habe. Hörtest, Urintest und co. folgten und am Ende stand "T2" auf dem Papier. Mehr von Bedeutung als T1 oder T2 waren dann die Informationen über das Thema 'Antrag auf Kriegsdienstverweigerung'. Gut informiert habe ich das Schreiben aufgesetzt, welches Mitte Juli im Briefkasten der Zuständigen lag, und 5 Wochen später dann der Bescheid - ich bin anerkannter Kriegsdienstverweigerer.

Den Kriegsdienst verweigert, stand also nun der Zivildienst bevor - oder: ein Freiwilligendienst im Ausland als Zivildienstersatz. Ja, so etwas gibt es und ich war mehr als interessiert! Voller Motivation wurden Informationen eingeholt und Trägerorganisationen unter die Lupe genommen, bis AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Mitte Januar '08 meine Bewerbung auf ihrem Tisch hatten: Bewerbung für ein FSJ mit Ausreise im Sommer 2008 in Mexiko. Die nächsten Wochen bestanden aus Warten & Hoffnung auf eine Zusage und: Abiturstress - ja, 13 Jahre Schule waren rum und das große Pauken war Programm. Eine Klausur folgte der nächsten und neben literarischen Daten, geographischen Entwicklungen und englischen Vokabeln schwebte das eventuell bevorstehende Mexiko-Jahr im Kopf. Doch bevor ich das Physik-Buch für die mündliche Abiturprüfung in die Hand genommen habe, kam die Botschaft: Keine Zusage für Mexiko und auch nicht für eines der drei weiteren Wunschländer. Die nächsten Tage musste ich mich also dann nun mit einer sehr unerfreulichen Planänderung arrangieren, die da lautet: Zivildienst in Deutschland statt Freiwilligendienst in Mexiko. Und ich würde jetzt auch bereits seit 6 Monaten in einem Altenheim, Krankenhaus oder sonst wo arbeiten, käme mir nicht an jenem
Abend vor der Klotze eine Idee: Ein halbes Jahr warten - gefüllt durch Erholen vom Abitur :) einerseits und Arbeiten, um die Zeit sinnvoll zu nutzen, andererseits - und bewerben für Ausreise im Januar 2009. Da gibt es nämlich den ICJA Freiwilligenaustausch e.V., zu denen
ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V.
ich dann Kontakt aufgenommen habe und der mir bekannt gegeben hatte, meine Chancen für eine Zusage für Januar '09 ständen gerade auch wegen der unbeliebteren Winterausreise sehr gut. Punkt 2 - das Bundesamt für den Zivildienst - legte mir auch keine Steine in den Weg und so wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Die Bewerbung für den ICJA wurde wie auch die Bewerbung für einen Job abgeschickt. Erstwunschland Mexiko, Zweitwunschland Costa Rica, Drittwunschland Honduras.

Unterschreiben der Platzannahme
Mitte Oktober 2008: Nach diversen Besorgungen hinsichtlich der Bewerbung sowie 14 Wochen Arbeiten in der Industrie kam die Entscheidung: Im Januar geht's für ein Jahr nach Honduras - diese Tatsache musste erst einmal realisiert werden. Impfungen, Reisepass, Flug buchen, etc. - die nächsten Wochen waren gefüllt von Planungen.
Und: einer Spannungsphase - denn in der dritten Novemberwoche klingelte das Telefon: Der ICJA informierte die Honduras-Freiwilligen über ihre Entscheidung, dass Honduras aufgrund der hohen Kriminalität gestrichen wird. Nun also Zivildienst in Deutschland? Nein, die Honduras-Freiwilligen werden in anderen Einsatzländern tätig sein. Und meins lautet: Mexiko.

Am 07. - 09. November dann das erste Vorbereitungsseminar. Wurde der Kontakt zwischen den Freiwilligen bisher nur per e-mail oder telefonisch aufgebaut, gab es an diesem Wochenende die Möglichkeit, sich und auch den Verein ICJA persönlich kennenzulernen. Eine super Gemeinschaft, verschiedene Freizeitmöglichkeiten, etc. führten zu einem schönen Wochenende.
Gruppenfoto Vorbereitungsseminar 9.11.08 Waldsieversdorf


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